Lernen mit Rhythmus, Gesten, Melodie und Bewegung

Warum In und Auswendig?

Aus dem Duden (2011) zur Redewendung in-und auswendig:

„Mit der Verbindung dieser Ausdrücke wird seit dem Mittelalter die Gesamtheit eines bestimmten Sachverhalts bezeichnet. Auswendig lernen bedeutet: das Buch mit den Buchdeckeln nach außen gewendet, also geschlossen, vor sich liegen haben und den Inhalt aufsagen“

Diese Definition trifft so gut auf die Methode zu, dass im Deutschen dieser Namen für die Homepage gewählt wurde. Es geht nicht nur um die Gesamtheit eines Sachverhaltes, auch der Lernende und der Lehrende wird ganzheitlich gefordert und gefördert.

Die Methode

Die Methode nutzt das Leibgedächtnis. Alles was körperlich erfahren wird, vergisst der Mensch nicht; Fahrradfahren, ein Musikinstrument spielen oder Schwimmen verlernt ein Mensch sein Leben lang nicht, wenn er es einmal gelernt hat.

Die sogenannten primitiven Kulturen, also auch unsere Vorfahren, die ihr Wissen nicht in Büchern speichern konnten, haben sich das Leibgedächnis zu Nutze gemacht um ihr Kulturgut zu bewahren und weiterzugeben.

Das Leibgedächtnis wird durch die ganzheitliche Herangehensweise aktiviert, diese ist zudem eine gute Antwort auf die Schwierigkeiten vieler Kinder unserer Zeit, als da sind Konzentrationsprobleme, Aufmerksamkeitsdefizite oder Bewegungsarmut.

Heute wird mit der Methode vor allem im französisch sprachigen Raum gearbeitet. Die hier vorgestellte Pädagogik kommt aus Kanada und sie stützt sich nicht nur auf die Anthropologie von Marcel Jousse sondern ebenso auf die Pädagogik Hélene Lubienska de Lenval einer Zeitgenossin von Jousse, die unabhängig von ihm ähnliche Arbeitsweisen einsetzte.

Ursprünglich vor allem in der Religionspädagogik angewandt, indem Bibeltexte vermittelt und bearbeitet werden und wurden, ist die Methode nachweislich auch  in anderem Rahmen erfolgreich einsetzbar.

Die fünf Säulen der Methode

  1. Wiederholungen
  2. Rhythmus
  3. Melodie
  4. wiegende Bewegung (z.B.: Wiegeschritt)
  5. Gesten

Anhand dieser Säulen funktioniert ein kreatives und lebendiges Lernen. Es kommt daher zu einer hohen Eigenmotivation und zu einer schnellen Auffassung. Der Rhythmus des Rezitativs wird durch die Sprache bestimmt und hilft auf diese Weise, den gesamten Text in Sinneinheiten zu gliedern. Das hilft dem Gedächtnis beim Memorieren. Der Einsatz von Grob- und Feinmotorik durch die Gestik nutzt das kinästhetische, die Melodie das auditive Gedächtnis und das dadurch geförderte serielle Denken ermöglicht das Erlernen auch langer Texte. Die wiegende Bewegung fördert die natürliche Körperhaltung und hilft, richtig zu atmen und unverkrampft das Vermittelte aufzunehmen. Die Wiederholung gehört als Grundelement zu jeder pädagogischen Methode. Das Arbeiten auf fünf Ebenen erfordert volle Konzentration und ist sehr anstrengend, auch wenn es Spaß macht. Es ist daher wichtig, die direkte Beteiligung frei zu stellen und die Möglichkeit zum Ausruhen anzubieten. Da jeder mit sich selbst, seinen Gesten und seiner persönlichen Erarbeitung des Textes beschäftigt ist, stören die Pausierenden nicht. Auch ein nicht offensichtlich partizipierender Teilnehmer erlernt den Text. Es geht niemals um eine Präsentation. Mangelnde Präsenz und Konzentration des Vermittlers übertragen sich umgehend auf die Lernenden und das Interesse nimmt sofort ab. Der Rap und die Werbung, genauso wie die Propaganda, bedienen sich unseres Leibgedächtnisses, ohne uns zu fragen. Der Einsatz dieser Methode muss mit Verantwortungsbewusstsein erfolgen. Gleichzeitig sind Kinder, die die Funktionsweise ihres Leibgedächtnisses durch den Einsatz dieser Methode von klein auf erleben, möglicherweise besser gerüstet gegenüber den Einflüssen der Werbung oder auch einer Propaganda und sie könnten auch beim Lernen in der Schule ihr Leibgedächtnisses nutzen.